Franz, Durchstaatlichung

70,00 

Norbert Franz, Durchstaatlichung und Ausweitung der Kommunalaufgaben im 19. Jahrhundert. Tätigkeitsfelder und Handlungsspielräume ausgewählter französischer und luxemburgischer Landgemeinden im mikrohistorischen Vergleich (1805–1890), Trier 2006 (Trierer historische Forschungen 60).

978-3-89890-098-0 – lieferbar – 433 S., geb., 15,8 cm × 24 cm, 820 g, Diagr. und Tab.

Vorrätig

Artikelnummer: 978-3-89890-098-0 Kategorien: , Schlüsselworte: , , ,

Beschreibung

Die Studie untersucht am Beispiel von je zwei französischen und luxemburgischen Gemeinden zwei grundlegende Prozesse: Zum einen die zunehmende Integration ländlicher Gemeinden in die gesamte bürokratische Staatsorganisation seit dem Ersten Französischen Kaiserreich, zum anderen die Ausweitung der Staatstätigkeit auf Gemeindeebene über die hoheitlichen Kernbereiche der Gemeindetätigkeit hinaus. Sie nähert sich ihrem Erkenntnisziel mit Hilfe einer Kombination qualitativ-hermeneutischer und quantitativ-analytischer Methoden und verbindet diese mit einem mikrohistorisch-vergleichenden Ansatz, der immer auch die Bezüge zur Makroebene der „großen Politik“ herstellt.

Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Prozesse der in jüngerer Zeit in der deutschen Forschung als „Durchstaatlichung“ bezeichneten wachsenden Integration der Gemeindeverwaltungen in die gesamtstaatliche bürokratische Organisation mit der Ausweitung der Staatstätigkeit auf kommunaler Ebene nicht nur eng verknüpft waren: Diese beiden Prozesse bedingten und verstärkten sich sogar wechselseitig. In der Anfangszeit der Untersuchung unter dem Ersten Französischen Kaiserreich war die politisch-administrative Gemeinde nicht mehr als eine weitgehend leere Hülle. Dies gilt vor allem für die beiden luxemburgischen Gemeinden. Ihre Tätigkeit beschränkte sich auf hoheitliche Aufgaben, insbesondere den Einzug der Gemeindesteuern, die Führung der Zivilstandsregister oder die Orts- und Feldpolizei. Der bereits in den 1860er Jahren von dem Ökonomen Adolph Wagner postulierte und seither in den Wirtschaftswissenschaften gleichsam als „Gesetz“ aufgefasste Prozess der Ausweitung der Staatsaufgaben über diesen Kernbereich hinaus ist auf lokaler Ebene für alle vier betrachteten Gemeinden zu bestätigen.

Er gewann analog zur nationalen Ebene im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr an Dynamik. Bei den luxemburgischen Beispielgemeinden wirkte sich hier insbesondere der Aufbau einer eigenen luxemburgischen Staatsverwaltung seit den 1840er Jahren aus. Insgesamt sind die jeweiligen Schwerpunktsetzungen der nationalen Politik auf lokaler Ebene nachzuvollziehen: Im Bereich der kommunalen Leistungsverwaltung lagen sie im kulturellen Sektor, genauer, bei den Primärschulen, sowie beim Verkehrswesen. Letzteres dominierte dort über den schulischen Bereich, wo die Gemeinden aufwendige Brücken bauten und instand hielten. Eine sozialstaatliche Entwicklung ist auch auf kommunaler Ebene noch nicht zu erkennen, doch auf vergleichsweise niedrigem finanziellen Niveau ist auch in diesem Sektor der Gemeindetätigkeit eine Ausdifferenzierung und Erweiterung des Leistungsangebots der betrachteten Landgemeinden festzustellen. Die Handlungsspielräume der vier untersuchten Gemeindeverwaltungen waren abhängig von ihrer materiellen Ausstattung, der Unterstützung aus den Mitteln übergeordneter staatlicher Ebenen und von dem politischen Willen der maßgeblichen lokalen Kräfte.

Nicht nur im Kleinstaat Luxemburg, sondern auch in der europäischen Großmacht Frankreich gelang es Landgemeinden vereinzelt, bei der Zentralregierung Verbündete für ihre Anliegen zu gewinnen. Bei großer politischer Einigkeit konnten sie diese gelegentlich auch im Konfliktfall gegen den expliziten Willen übergeordneter Behörden durchsetzen, wie die Studie anhand eines französischen Beispiels zeigt. Am Beispiel des Baus einer Moselbrücke durch eine luxemburgische Gemeinde kann die Studie zeigen, dass eine Landgemeinde in dieser Zeit sich auf allen Ebenen des Staatsapparates politisch durchsetzen und die gesamte Staatsorganisation für die Realisierung dieses Projekts mobilisieren konnte. Diese Studie bewegt sich in einem neueren Forschungstrend, der über nationale Grenzen hinweg auf der Mikroebene lokaler Geschichte vergleichend arbeitet, dabei aber die Bezüge zur jeweiligen nationalen Ebene nicht vernachlässigt.

Zusätzliche Information

Gewicht 820 g
Größe 24 x 17 x 4 cm