Zwischen Gallia und Germania

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Zwischen Gallia und Germania, Frankreich und Deutschland. Konstanz und Wandel raumbestimmender Kräfte. Vorträge auf dem 26. Deutschen Historikertag, Trier 8.-12. Oktober 1986, hrsg. v. Alfred Heit, Trier 1986 (Trierer historische Forschungen 12). 978-3-89890-009-6 – lieferbar – 318 S., kart., 15,8 cm × 24 cm, 520 g, 2 Abb., Kn.

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Beschreibung

„Der vorliegende Band beinhaltet die auf dem 36. Deutschen Historikertag in Trier (8 bis 12. Oktober 1986) unter dem Thema ‚Zwischen Gallia und Germania, Frankreich und Deutschland: Konstanz und Wandel raumbestimmender Kräfte‘ in den Sektionen 1, 12 und 20 gehaltenen Vorträge. Somit ist eine Gliederung der Beiträge vorgegeben. Die Sequenz der drei Sektionen wurde auf Vorschlag der Trierer Historiker in das Programm des Historikertages 1986 aufgenommen. Das behandelte Thema steht im Kontext mit dem an der Universität Trier im zweiten Halbjahr 1987 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichteten Sonderforschungsbereich 235 ‚Zwischen Maas und Rhein. Beziehungen, Begegnungen und Konflikte in einem europäischen Kernraum von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert‘. Die Beiträge, welche im ‚Bericht über die 36. Versammlung deutscher Historiker in Trier‘ in Kurzform veröffentlicht wurden, liegen nunmehr in diesem Band in überarbeiteter Fassung vor – mit einem Anmerkungsapparat versehen und teilweise mit Abbildungen ausgestattet. Die Sektionsleiter (Heinz Heinen, Alfred Haverkamp, Günter Birtsch) verfaßten jeweils eine Einführung. In dem einleitenden Beitrag ‚Raumkonzepte in der historischen Forschung‘ (11–27) skizziert zunächst Franz Irsigler die bisherigen Konzepte zur Erforschung des Raumes in der Geschichte bzw. von Geschichtsräumen; dabei lag der Schwerpunkt auf zwei Ansätzen, nämlich auf der von der geschichtlichen Landeskunde entwickelten Methode der Kulturraumforschung und dem aus der Geographie stammenden Konzept der Zentralitätsforschung. Irsigler stellt anschließend eine ‚Typologie historischer Räume‘ zur Diskussion. Die von Heinz Heinen geleitete althistorische Sektion wendet sich dem gallisch-germanischen Raum in der römischen Kaiserzeit zu. Heinens Beitrag ‚Der römische Westen und die Prätorianerpräfektur Gallien. Historischer Raum und politische Entwicklung‘ (39–62) behandelt die Frage, ob (was grundsätzlich bejaht wird) und in welcher Weise sich innerhalb des Römischen Reiches kleinere historische Räume herausgebildet haben, die eine bessere Standortbestimmung der gallischen und germanischen Provinzen ermöglichen würden. Die althistorischen Beiträge von Hartmut Wolff (‚Die politisch-administrative Binnengliederung des gallisch-germanischen Raumes‘, 63–82), Peter Herz (‚Einheimische Kulte und ethnische Strukturen. Methodische Überlegungen am Beispiel der Provinzen Germania inferior, Germania superior und Belgica‘, 83–98) und Ingemar König (‚Wirtschaftsräume und Handelswege im römischen Westen‘, 99–112) gehen alle von den römerzeitlichen Raumstrukturen aus. Wolff behandelt die administrative Gliederung, die Rolle des Heeres, der civitates und villae rusticae. König hebt die Eigenart der gallisch-germanischen Gebiete als eines Wirtschaftsraums hervor. Herz hat die einheimischen Kulte der Germania inferior und der angrenzenden Teile der Gallia Belgica darauf überprüft, ob die Monumente des Matronenkults als Indikatoren für Kultbezirke und Personengruppen in einem ethnisch gemischten Raum anzusehen sind. Die von Alfred Haverkamp geleitete Sektion beschäftigte sich mit dem Thema ‚Lothringen im Mittelalter‘. Lothringen ist eine historische Landschaft, die für die Geschichte von fünf modernen westeuropäischen Staaten von Bedeutung ist und für die Entstehung von Deutschland und Frankreich als Nachfolgestaaten des karolingischen Großreichs entscheidend war. Dieser Raum war Bestandteil von ‚Gallia‘ und ‚Germania‘, er war ‚weit mehr als eine Vermittlungszone‘ (115), es gingen von ihm wesentliche Anstöße aus. Die Beiträge gehen vielfach über das Mittelalter hinaus, indem sie frühere und spätere Ereignisse miteinbeziehen. Egon Boshof (‚Lotharingien – Lothringen. Vom Teilreich zum Herzogtum‘, 129–153) setzt mit dem Vertrag von Verdun ein und stellt die Frage nach dem Gemeinschaftsbewußtsein der führenden politischen Kräfte bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts. Michel Parisse (‚Désintégration et regroupements territoriaux dans les principautés lotharingiennes du XIe au XIIIe siècle‘, 155–180) beschreibt die Institutionen, Organisationsformen und Trägerschichten, wobei er bis in die Karolingerzeit zurückgreift und einige Ausblicke auf die Verhältnisse im späten Mittelalter gibt. Hans-Joachim Schmidt (‚Religiöse Mittelpunkte und Verbindungen‘, 181–204) geht von der kirchlichen Organisation in der Spätantike aus, die sich in der Kirchenprovinz Trier am stabilsten erwies; diese Strukturen bilden den Leitfaden für einen Überblick, der bis ins späte Mittelalter reicht und in dem die zentrale Rolle der Klöster und ihre Verbindungen aufgezeigt wird (184, Fußnote 5: statt ‚Kleinmeyer‘ Heinemeyer). Pierre Racine (‚La Lorraine au haut Moyen Age. Structures économiques et relations sociales‘, 205–218) bietet einen wirtschaftshistorischen Durchgang für das 9. bis 13. Jahrhundert. Von Günter Birtsch wird der dritte Teil des Bandes vorgestellt. Franz Irsigler (‚Wirtschaftsräume und neue Grenzen. Eine Skizze der Entwicklung des Obermoselraumes vom 16. bis zum 18. Jahrhundert‘, 225–237) stellt einerseits die Verbindung von der Mittelalter- zur Neuzeitsektion her, andererseits beschreibt und analysiert er die Formung und Veränderung von Wirtschaftsräumen, Wirtschaftszentren und Gewerbelandschaften aufgrund der Verlagerung, Neubildung und Verschärfung von Grenzziehungen territorialer und nationaler Art. Etienne François (‚Städte im deutsch-französischen Grenzraum am Ende des 18. Jahrhunderts. Stadtverfassung, Sozialstruktur, Mentalitäten, zwischenstädtische Beziehungen‘, 239–249) zeigt in seiner vergleichenden Betrachtung der Städtelandschaft entlang der Mosel am ausgehenden 18. Jahrhundert auf, daß Sprachgrenze und politische Grenze sich als nur begrenzt durchlässig erwiesen. ‚Die kulturräumliche Kontaktzone wirkt – gemessen an Bibliotheksbeständen und Buchbesitz, an der Tätigkeit aufgeklärter und wissenschaftlicher Sozietäten – geradezu ausgedünnt. Das zeitgenössische Bildungsinteresse gilt nicht dem benachbarten Grenzraum, sondern greift über diesen hinaus auf kulturelle Metropolen und Zentren. So haben die Aktivitäten der Aufklärung zwar einen kulturellen Verdichtungsprozeß innerhalb der Territorien gefordert, aber sie haben eher das Bewußtsein der sprachlich-kulturellen Grenze vertieft und die Segregation verschärft, die entschieden durch die politische Entwicklung und Gesamtlage bestimmt war‘ (Birtsch, Einführung, 222). Dies dokumentieren auch die Beiträge von Klaus Gerteis (‚Innerstädtische Konflikte im deutsch-französischen Grenzraum vom Ancien Regime zur Revolution‘, 250–260), Elisabeth Fehrenbach (‚Ländliche Gesellschaft und soziale Unruhen im linksrheinischen Deutschland vom Ancien Regime zur Revolution‘, 261–271) und Christof Dipper (‚Zwischen Rhein und Maas. Kontinuitäten und Diskontinuitäten des napoleonischen Erbes im Zeitalter der Restauration‘, 275–2861. Diese Fallstudien über soziale Konflikte in Stadt und Land zeigen, wie sehr für die Entwicklung und den Ablauf der Konflikte der strukturelle Bedingungsrahmen entscheidend war und welche Rolle ‚die langfristige Wirkung einer Veränderung des Bedingungsrahmens durch die politische Herrschaft und damit deren die Grenzen akzentuierenden Einfluß‘ (Birtsch, Einführung, 223) spielte. Der insgesamt sehr gelungene Band, der für künftige landesgeschichtliche Untersuchungen richtungsweisend sein sollte, wird durch Register gut erschlossen.“ (Hans Ammerich, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 101 [1993], S. 99–101).

Zusätzliche Information

Gewicht 520 g
Größe 24 × 17 × 4 cm